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Aus dem wunderbaren Kloster bin ich frühmorgens Richtung Caceres
aufgebrochen. Der Weg dorthin war nicht unbedingt der schönste,
aber auch nicht der schlechteste. Die Herberge hingegen war absolute
Spitzenklasse: geräumiges Zweibettzimmer mit Klimaanlage und
gutem Bett. In Caceres habe ich einen Ruhetag eingelegt. Das Verlockende
daran war natürlich, dass ich ausschlafen konnte. Nachdem ich
die Zeit bis 10 Uhr mehr oder weniger schlafend im Bett verbracht
habe, schaute ich mir ein wenig die Stadt an. Abends kam Andi, mit
dem ich ein paar Tage zusammen wandern wollte, vorbei. Eigentlich
wollte er schon gegen 14 Uhr dort sein, doch die Fluggesellschaft
Air Europa hielt es offensichtlich nicht für nötig, seinen
Rucksack nach Madrid zu bringen; scheinbar gingen sie davon aus, dass
es reiche, den Passagier ans Ziel zu bringen. Nach längerem hin
und her bekam er dann doch seinen Rucksack, so dass wir ohne weitere
Verzögerung am nächsten Morgen nach Casar de Caseres aufbrechen
konnten.
Damit Andi sich erstmal einlaufen konnte, sind wir an diesem Tag
nicht sehr weit gegangen. Als wir bei der Herberge ankamen, waren
wir angenehm überrascht. Es gab reichlich Platz sowie eine
Küche und einen gemütlichen Aufenthaltsraum mit Sofa.
Als wir uns gerade zur Siesta hingelegt hatten, kam lautstark ein
spanischer Radfahrer in die Herberge. Er machte gleich erstmal Licht
und Lärm. Nachdem er uns einige Zeit wach gehalten hatte, unter
anderem mit Duschen, legte auch er sich hin. Ich hatte schon die
Hoffnung, doch noch ein wenig schlafen zu können, aber da hatte
ich mich geirrt. Wenige Minuten, nachdem er sich hingelegt hatte,
begann er in einer Lautstärke zu schnarchen, dass an schlafen
nicht mehr zu denken war. Aus Protest gingen wir dann auch duschen,
aber das schien ihn gar nicht zu stören; er schnarchte fleißig
weiter.
Andi, geplagt von Hitze, Lärm und Mücken, fand in dieser
Nacht keinen Schlaf. Um 3 Uhr weckte er mich und um halb vier waren
wir bereits unterwegs nach Canaveral, unserem nächsten Etappenort.
Dort sollte vor wenigen Monaten eine Herberge entstanden sein; wie
sich heraus stellte jedoch in einem sehr alten Haus, in dem ich
mich fast permanent bücken musste, um mir nicht den Kopf zu
stoßen. Am nächsten Tag ging es nicht so früh wie
am Vortag nach Grimaldo weiter. Die dortige Herberge wird aus Gastfreundschaft
von den Dorfbewohnern betrieben. Als wir in der Bar ankamen und
uns den Schlüssel holen wollten, sagte der Wirt nur, dass er
den Schlüssel habe und uns die Herberge nachher zeigen würde.
Damit gaben wir uns zufrieden und aßen uns tranken erst einmal
etwas. Als wir nach dem Essen den Wirt noch einmal auf die Herberge
ansprachen, zeigte er nur auf eine Tür, ca. einen Meter entfernt
und sagte dort sei es. Wir hatten etwa zwei Stunden gemütlich
vor der Herberge gesessen, ohne es zu wissen. Am nächsten Morgen
ging es gut ausgeruht weiter nach Galisteo. Hier wurde Andi gegen
16 Uhr von Hannes abgeholt und es ging für ihn zurück
nach Madrid.
Ich hingegen übernachtete in einer Privatherberge, in er später
auch noch ein österreichischer Radfahrer ankam - mit dem ich
dann noch zu Abend aß. Von Galisteo bin ich über Carcaboso
nach Aldeanueva del Camino gegangen. In Carcaboso fing mich Elena,
eine auf dem Via de la Plata bereits zur Berühmtheit gewordene,
ältere Dame ab und winkte mich in ihre Bar, wo ich ein gutes
und reichliches, zweites Frühstück vorgesetzt bekam. So
gestärkt ging ich noch die weiteren 40 km nach Aldeanueva weiter
- in glühender Hitze. Dort trafen abends um 21 Uhr noch die
beiden Spanier mit ihrem Hund ein, dessen Gesundheitszustand sich
erheblich gebessert hatte. Wie saßen noch bis halb eins in
einer Bar und unterhielten uns - halb englisch, halb spanisch -
über das Leben und Reisen, die wir bereits gemacht hatten bzw.
noch machen wollten. Um 1 Uhr landete ich dann in meinem Bett, um
5 Uhr musste ich bereits wieder aufstehen. (30.06.04)
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